#7 Die Insektenmaschine

Der Niedergang der Autoindustrie hat etwas mit dem Sterben der Insekten zu tun. Hierfür gibt es eine schlüssige Beweisführung. Ausgangspunkt ist die Feststellung, dass es in diesem Sommer erstmals nur ein Fünftel der üblichen Insekten gibt, die sich ansonsten vor allem für Menschenblut oder Süßkram auf den Terrassen der Republik begeistern. Versuche herauszufinden, wo die Tierchen denn geblieben sind, sind zum Scheitern verurteilt, weil ja bislang jedes Jahr eine neue Generation von Insekten hervorkam – woher die auch immer hervorkriechen. Jedenfalls sind sie in diesem Jahr eben nicht wieder hervorgekommen. Ein Kreislauf wurde unterbrochen. Das war die erste Feststellung in der äußeren Umwelt.

Klar ist, dass auch früher schon Insekten im Wesentlichen durch ihre unterschiedlichsten Todesarten aus der Masse der Geschöpfe hervortraten. Die meisten von ihnen waren dazu bestimmt, nur einen Sommer lang zu fliegen oder zu krabbeln. Wie viele wurden an Windschutzscheiben zermatscht, wie viele durch Insektenspray ins Taumeln gebracht, so dass sie benommen in Kerzen fallen mussten, um dort zu verbrennen? Fliege tot, um den Wind zu schützen? Insektenspray, um deren Haare hoch zu toupieren? Das sind doch alles Ideen des militärisch-industriellen Komplexes gewesen, um den Spaß am Insektentöten zu legalisieren. Massenmord, der Fahrfreude macht. Eine ganze Industrie hat sich an den Mückenleichen genährt. Und sich überfressen, wie es scheint.

Ein solches Insektensterben gibt es besonders häufig in Zeiten des politischen Wahlkampfes der Menschen. Und jetzt ist es in Deutschland wieder soweit. Bundestagswahl droht. Und eines der Wahlthemen ist das Auto, des Deutschen liebstes Insekt. Kein Mensch möchte mehr Autos kaufen, die mit Dieselpower fahren, bis auf Dienst-SUV-Inhaber, denen auch das egal ist. Die Politik unterstützt entweder die Nachrüstung der Dieselfahrzeuge oder deren Ersatz durch Stromfahrzeuge, deren Strom nicht durch Diesel erzeugt wird, hoffentlich. Der Grund ist angeblich, dass Diesel schmutzig ist und Menschen umbringt. Um die Insekten kümmert sich wieder keiner.

Der wahre Grund aber, dass keiner mehr Diesel haben will, ist die Erkenntnis, dass selbstentzündende Gemische beim Imkreisfahren besonders tödlich für die Insekten innerhalb dieses Kreises sind. Denn was wird am meisten im Kreis gefahren – Benzin, Strom, Wasserstoff? Es ist die Menschmaschine mit Dieselautomobil, also den sich selbst bewegenden Sesseln mit Dieselentzündung. Meistens auf Autobahnen, die einem Kreis, Oval oder Donut ähneln. Genau genommen also auf dem Weg zur Arbeit und wieder zurück. Man fährt aus der Boxengasse an der Seitenstraße des Arbeitslebens auf die Autobahn und kommt nach einem ausgiebigen Boxenstopp von 8 Arbeitsstunden zurück an den Ziel/Start-Bereich. 220 Tage im Jahr. Bei dieser Art des Dieselverbrauchs sind im letzten Jahr besonders viele Insekten gestorben, so dass sie nicht mehr rechtzeitig für Nachwuchs fürs Folgejahr sorgen konnten. Und weil die Autoindustrie keinen anderen Weg fand, sich bei den Insekten zu entschuldigen, haben sie sich überlegt, die Autos mit den meisten Insektentoten abzuschaffen, auf dass die Welt eine bessere werde, mit Insekten, welche die Blumen bestäuben, mit Bienen, die Obst und ab und zu einen Bienenstich produzieren und überhaupt mit mehr sechsbeiniger Fortbewegung. Ende einer Industrie, q.e.d.

Fad Gadget / Insecticide / https://www.youtube.com/watch?v=GTf5hzXtXPY 

Depeche Mode / Fly On The Windscreen / https://www.youtube.com/watch?v=KaJLuPMeokI

Kai Niggemann / Menschmaschine / https://www.youtube.com/watch?v=g1wesLlopsQ

British Sea Power / Apologies To Insect Life / https://www.youtube.com/watch?v=_doAObH_lQ4

The Prodigy / Diesel Power / https://www.youtube.com/watch?v=PwntZfuyJG0

Advertisements

#3 Ablenkung

Als Ablenkung bezeichnet man im Allgemeinen die Lenkung einer Figur von einem bestimmten Problem weg zu einem anderen Thema, das man zu diesem Zweck in den Vordergrund stellt. Das kann durch grelle Farben oder bestimmte Formen, wie Rauten geschehen, manches Mal auch durch grelle Äußerungen politischer Natur.

Die Ablenkung funktioniert umso besser, desto krasser der Störimpuls ist. Sie gehört zu den Grundtaktiken im menschlichen Umgang miteinander. Sie wird beispielsweise auch eingesetzt, um vom Drogenkonsum abzulenken, der im Dunkeln der Macht stattfindet. Nur wer starker Raucher von psychoaktiven Substanzen ist, der kann auch ein steinernes Gesicht bewahren, selbst wenn die Vorwürfe auf Lügen und Betrügen hinauslaufen.

Die Ablenkung kann auch durch bunte Kleider erfolgen, die von Formen der Hände ablenken. Jedenfalls geht es oft um die Wahrheit und die Wirklichkeit, die verschleiert werden sollen, um sich selbst oder einer präferierten Gruppe Vorteile gegenüber Mitbewerbern zu verschaffen. Die Ablenkung von Schutzfiguren gehört zu den elementaren Motiven in der Politik. Weitere wichtige Grundmotive sind die Schwächung der Grundreihe, die Räumung, die Fesselung, die Hinlenkung sowie der Doppelangriff Die Taktik der Ablenkung ist auch bei Computerspielen gebräuchlich.

Farben / Raute / https://www.youtube.com/watch?v=utBMoR5yoBE

Andreas Dorau/T.Eckart / Stoned Faces Don’t Lie / https://www.youtube.com/watch?v=gD–LbrY7I4

#2 Krawall im den Dimensionen Zeit und Raum

Global denken und lokal handeln ist auch für den Krawall ein denkbarer Weg. Schon seit Jahrzehnten. Die internationale Geschichte des Aufstandes, also des organisierten oder spontan vernetzten Aufstehens ist davon geprägt, einerseits nach außen hin eine Abgrenzung zu erzielen, wie zum Beispiel durch das Tragen von übergroßen Anzügen mit riesigen Ketten und bunten Krawatten gegenüber all den anderen Normalanzugträgern. Das „dagegen“ ist also dem Aufruhr immanent. Und doch ist es auch ein „dafür“. Der Absatz oder der Diebstahl bestimmter Kleidung ist ja auch der Ausdruck dessen, dass man sich hierüber und auch untereinander identifizieren kann. Indem man Riesenanzüge trägt oder schwarze Kleidung, die einen uniformiert und damit unkenntlich macht. Identifikation bis zur Unkenntlichkeit, wie bei einem Konzert alter Rocker oder sonstiger Crusties.

Das System der Schuldlosigkeit durch Tragen von Uniformen hat im anderen Sinne auch schon immer funktioniert. Die Jugend war dabei für Krawall prädestiniert. Von ihr erwartet man den mit Krawall verbundenen Lärm am ehesten. Ist man erst einmal jenseits bzw. diesseits der Zahl 20, dann wird das mit den Erwartungen an Krawall, Aufruhr und Lärm auch entspannter. Man gehört dann eher zu dem Lager, in dem das alles analysiert und nostalgisiert wird. „Da in Afrika, das war aber echt ein Aufstand“, „Weißt Du noch, unserer Krawall 1995, ach war das schön“, „Damals in der Polizeiwanne, Hammer“. Oder man ist Anwohner, Besitzer eines in Flammen aufgegangenen PKW und weiß nicht, wie man jetzt die Kinder zur Kita bringen oder selbst zur Arbeit kommen soll, da der Wagen von den Krawallleuten angezündet wurde. Ob dieser Probleme könnte man selber zornig werden und die Autos des anderen Blocks anzünden, wenn man sie denn findet. Und schon ist man als Mensch im Krieg mit anderen Menschen, ob in Lagos oder in 1995. Calvin und Hobbes hatten doch schon recht.

Cherry Poppin’ Daddies / Zoot Suit Riot / https://www.youtube.com/watch?v=rq7fuCRJULk
Atari Teenage Riot / Riot 1995 / https://www.youtube.com/watch?v=_6YB3b0qTzU
Ryuichi Sakamoto / Riot In Lagos / https://www.youtube.com/watch?v=DYesqFjGPGQ
Arctic Monkeys / Riot Van / https://www.youtube.com/watch?v=tmf6q7ENav8

7 Richtungen (alter Text)

Junge Menschen machen Blödsinn, Partnertausch machen nur Alte. Die sehen danach – also nach dem unweigerlich folgenden Rücktausch – auch voll ein, dass sie Quatsch gemacht haben und nichts für die Ewigkeit. Als wollten sie etwas für die Ewigkeit tun. Keiner weiß so recht wohin das alles führt, Hauptsache mit Überschallgeschwindigkeit. Dabei fallen einem schon des Öfteren die Hosen vom Hinterleib, so dass die Welt und die Königin staunt. Am Ende liegst du vor Lachen auf der Straße und wirst überfahren.

Es sitzt einer am Steuer, der nicht mehr zu stoppen ist. Er fliegt und rast und hat ständig heißen Sex. Vielleicht ein 52-jährige Technostar, der ratlos ist, denn er weiß nicht mehr wie er mit seiner Frau umgehen soll. Diese noch jüngere Discokugel dreht sich nur noch um sich selbst und hört seltene Musikrichtungen wie Grebo und frisiert sich neuerdings auch noch so. Manche Königinnen reißen die alte Frisur ein, ohne erforscht zu haben, wie die neue aussehen soll. Mal sehen, ob man mich auch mit ohne Haare erkennt. Wichtig in der Partnerschaft ist vor allem, dass man sich was aufgebaut hat, sagt schließlich auch der Fernseher auf dem geistigen Regal. Haare interessieren uns dort überhaupt nicht.

Gedankenloses Zerstören führt zu ratlosen Ruinen. Nur noch einer weiß, was richtig ist. Der bringt die Botschaft unter das Volk. Das Leben schwingt hin und her, es mäandert von Wünschen zur Linken und Notwendigkeiten zur Rechten. Im Sommer will man Kühle, im Winter wärmende Sonne. Menschen haben Kinder, Hunde oder Autos, sei es Mercedes, Passat. Haben sie das nicht, sterben sie bald oder streben mit größer werdender Verzweiflung danach.

Getrieben von diesem ständigen Wechsel taumelt der Eine, geht die Andere zu Straßen, manch Einer meint, eine Abkürzung nehmen zu können, geht geradeaus und zieht sich aus dem öffentlichen Leben zurück ins Private – aber wohin führt ihn das? Schneller zur nächsten, vielleicht ebenso finalen Prüfung. Das Auto ist dein bester Freund, zumindest dein erstes Auto ist dein bester Freund, er oder es bringt dich überall hin und lässt dich nie im Stich, bis es doch passiert. Du überfährst den Hund oder vielleicht auch den Typen aus dem ersten Absatz. Der lacht nicht mehr. Aber das interessiert dich auch nicht wirklich. Vielleicht nur der Kratzer am untreuen Freund.

Dann wirst du ihn verkaufen, den Wagen, weil es schlichtweg ein neues Auto geben muss, um zur Arbeit zu fahren und Geld zu verdienen für die zukünftigen Autofreunde und die anderen Tiere. Du weinst, wenn er dir genommen wird, machst vorher noch ein letztes Foto. Nimmst die alte Polaroid, die es schon nicht mehr gibt. Auch sie hat dich nicht verlassen. Es sind noch drei Filme mit je 10 Fotos dort. Welche Limitierungen kannst du abschütteln?

Denkst du auch manchmal darüber nach, was du willst? Teil der schlafenden Nullen und Einsen sein? Für immer abhängig in stetig enger werdenden Selbstbeschränkungen. Die Fragen zu stellen ist wichtig. Antworten brauchst du nicht – die interessieren dich schließlich auch nicht. Antworten sind die größten Feinde unserer Zeit.

 

The Smiths / Nowhere Fast / https://www.youtube.com/watch?v=wYsA4WOiB4A

Queen / Don’t Stop Me Now / https://www.youtube.com/watch?v=HgzGwKwLmgM

Rockformation Discokugel / Die Kugel Privat / XXX

Jesus Jones / Zeros And Ones (Aphex Twin Reconstruction) / https://www.youtube.com/watch?v=6auGCQJufYo

Sylvain Chauveau  / Never Let Me Down / https://www.youtube.com/watch?v=YZlEX-Qn7JE

Psychic TV / Message From The Temple / https://www.youtube.com/watch?v=hTHiv7Nyrd4

 

 

18 Zu viel

gvei-1

 

Die Menschheit sei gewiss, das mit dem Gift fängt ganz normal an. Sitzt im Büro und hackst in die Schreibmaschine, Telefon klingelt, wärmst Dich zur Weltmeisterschaft im Disco-Dance auf oder schaut sonst wie aus dem Fenster. Und dann ruft Jemand an und schreit Dich an, verspritzt so viel von seinem Gift, so dass einen der Gedanke an Gift packt, ja zwangsläufig packen muss! Wie dreht man diesen elenden Saft ab? Auflegen? Friss Staub, Anrufer. Ein Giftstachel bleibt, zumindest für einen Moment. Daraus lassen sich zwanglos Fragen nach der Zukunft von Menschen dieser Art und auch der Menschheit ableiten. Interessantes Gift also.

Gift ist einer der mittel- und langfristigen Musiktrends der Zukunft, das war schon immer so und wird auch so bleiben. Der Eine hat das Gift, der Andere das Gegenmittel. Nur auf diese dialektische Weise funktioniert bekanntlich die gesamte Menschheit und deren Entwicklung. Meistens streiten sich die beiden Parteien und es macht schon mal lautmalerisch und synthetisch „boom“. Giftmusik ist ein Subgenre der Biomusik und die wird in der Zukunft erst recht boomen, diese Vorhersage ist verbindlich. Aber Vorsicht, denn es gibt noch kein allgemeingültiges Biomusikzeichen, erst recht kein Giftmusikzeichen, das vor diesem Gefahren warnt oder auf interessante Musik hinweist.

Was hat das alles mit uns zu tun? Biogift ist schon jetzt um einen jeden von uns herum – in den Wänden! Ungefragte Gesundheitsbeschädigungen dieser Art gibt es quasi jeden Tag. Auch die Hinweise auf angeblich gesunde Verarbeitung beim Streichen macht das Gift nicht wirklich ungefährlich. Wenn man Farbe oder Tiefengrund besser nicht schlucken soll, wie lässt sich dann erklären, das etwas, das vorher ein Gift ist, nach seiner Verarbeitung und Verbindung mit der Wand dann ungiftig wird? Einer der vielfältigen Erklärungsversuche geht von den katastrophalen Zuständen auf menschlichen Biowänden aus, also von „der Haut“, die wir alle haben. Auf der Haut als menschlicher Wand sind immer Pilze oder zumindest Biofilme. Es herrscht dort ein Gleichgewicht des giftigen Schreckens. Und die Haut eines Anderen abzuschlecken gilt nicht als vergiftend.

Stundenlanges Liegen auf dem Bauch bringt den Körper ebenso ins Gleichgewicht zurück, sollte er einmal verrutscht sein. Wenn etwas zu viel vorhanden ist, dann wirkt es als Gift, das heißt es beginnt, die Substanz des ihn umgebenden Stoffes zu beschädigen oder zu zerstören, wenigstens aber zu verändern. Der Körper schleppt sich müde dahin, der Rhythmus verlaaangsamt sich, alles wird schwer. Aber auch positive Wirkungen von Giften sind bekannt, zum Beispiel bei gewollten Lähmungen oder gewünschtem Verliebtsein (Giftpfeile). Die Dub-STEEP Methode, benannt nach den Anfangsbuchstaben der im globalen Umfeld der Musik berücksichtigten Suchfelder (Society, Techno, Ecology, Economy, Politoxics) hat sich immer schon damit beschäftigt, herauszufinden, was die Welt im Innersten zusammenhält und mitunter bewegt. Da lässt sich dann locker sogar aus den Mehrfach-Giftwirkungen aussortieren, welches Gift zu uns passt und welches eher nicht.

Angesichts der vielen Gifte und Mehrfach-Giftwirkungen wird Mancher technisch gesehen zum Tier und wünscht sich eine Entgiftung. Keiner weiss genau, wie diese so funktioniert. Manche meinen, mit Giftpfeilen (es gibt hier auch wiederum Unterströmungen, die amouröse Liebespfeile vorziehen) das aus Pubs bekannte Dart zu spielen, würde helfen. Dieser etwas einfältige Ansatz – wer hat jemals in der Liebe oder im Pub eine Entgiftung erfolgreich vollzogen? – ersetzt jedoch nicht die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem musikalischen Gift, zumal, wenn der Selbsttest mit Drogen erfolgt. Entgiftung lässt sich nicht unter Einfluss von Gift beschreiben.

Also: wie funktioniert Entgiftung genau? Die Frage wurde so oft gestellt und bislang nicht öffentlich beantwortet. Diejenigen, die es wissen, hüten dieses Wissen wie ein wirklich großes Geheimnis. Kennt man dieses Geheimnis nicht, so geht man der Einfachheit halber und am Besten von Folgendem aus: Gift ist einfach zu viel von einem einzigen Ding oder sagen wir besser: Stoff. Also heißt die Lösung: weniger von ein und demselben Ding, Abwechslung mit mehreren Stoffen.

Es stellt sich keine Vergiftung ein, wenn nichts gleichförmig verläuft. Andererseits, wenn immer alles nicht gleichförmig verläuft, stellt diese permanente Ungleichförmigkeit den Vergiftungsphobiker vor erhebliche Probleme. Also muss es eine Abwechslung zwischen partieller Gleichförmigkeit und ebenso partieller Ungleichförmigkeit geben, um das Leben vor dem Gift zu bewahren. Nichts ist von Konstanz in diesem Leben, nicht einmal die Inkonstanz. Und wenn andererseits die Menge das Gift macht, so ist es heilsam, ab und zu enthaltsam zu sein und ein sogenanntes Giftfasten einzulegen.

Also.

 

Sweet Poison:

The Prodigy / Poison / https://www.youtube.com/watch?v=_mej5wS7viw

The Go-Betweens / Poison In The Walls / https://www.youtube.com/watch?v=Yb8fNjUybcA

Porter Ricks / Polytoxic / https://www.youtube.com/watch?v=d8s2j-zKXvQ

ABC / Poison Arrow (Jazz Mix) / https://www.youtube.com/watch?v=wBTSM3iKufE&list=RDwBTSM3iKufE#t=11

The Bug & Warrior Queen / Poison Dart / https://www.youtube.com/watch?v=-aW7NFSGklM

The Go-Betweens / Too Much of One Thing / https://www.youtube.com/watch?v=D6n1cc3fn6M

Die Umlage von Musikkosten im Wohnraummietverhältnis

#1 Vorspiel

Musik spielte lange Zeit in der Wohnungswirtschaft eine weithin unterschätzte Rolle. Ursprünglich unterstellte die Öffentlichkeit großen Wohnungsunternehmen die Absicht, die Mieter als Cash-Cow[1] zu betrachten und die Wohnungen ohne Investitionen verkommen zu lassen. Doch dieser Wind hat sich gedreht. Warum auch nicht? Strategiewechsel von Vinyl auf CD auf Download sind nicht nur in der Musikbranche unabdingbar. Warum, fragte sich der Konzernchef, warum sollen wir nicht zufriedene Mieter schaffen, indem wir ihnen permanent die Musik vorspielen, die sie schon immer hören wollten, ohne dass sie es explizit wussten? Es war wirklich eine Ironie, dass diese Idee nun von den Unternehmen kam, die sich am weitesten von einer staatlichen Kontrolle entfernt haben.

Wie dem auch sei, Musik ist klangliche Information. Und Information ist eine Bank – das wissen wir schon seit langer Zeit. Schon in den frühen 1980er Jahren gab es den ehrenwerten Beruf des Informationsbankräubers[2]. Dieser war vorübergehend etwas in Vergessenheit geraten[3], trat aber dann doch wieder tröpfchenweise in Erscheinung[4], wenn auch Keiner ursprünglich wusste, warum.

Diebstahl wurde schon seit jeher mit Strafen beantwortet. Diese Strafen hinderten jedoch letztlich niemanden daran, einen Diebstahl zu verüben oder gar noch schlimmer, hierbei Gewalt anzuwenden[5]. Die mangelnde Wirksamkeit dieser Maßnahmen führte zu Einbrüchen, weiteren Straftaten und sonstigen Gewalttaten[6]. Die Menschen fühlten sich in ihren Wohnungen nicht mehr sicher, sie hatten Angst und schleppten alle Wertsachen mit sich herum, um jedenfalls tagsüber während der Arbeitszeit nicht Gefahr zu laufen, alles zu verlieren. Zwar gab es auch Ansichten, die aufriefen, sein Herz nicht an Gegenstände[7] oder Rock’n’Roll-Bands[8] zu hängen, dies war aber für die meisten Bürger eine zu neue und radikale Lösung[9]. Insofern waren diese Bürger überwiegend froh, als die Wohnungswirtschaft mit ihrer bahnbrechenden Idee voranging, Musik allen zur Verfügung zu stellen. Denn die Musik gehört ja auch allen, und nicht nur 2 Sekunden-Samples[10].

Na ja, selbstverständlich gehört die Musik schon denjenigen, die sie geschrieben haben, in Text und Sound, und so vereinbarte die Wohnungswirtschaft mit der Musikindustrie, Kosten für die Verfügbarkeit der Musik zu zahlen. Über den Preis vereinbarten sie zunächst Schweigen[11].

Nach einiger Zeit der internen betriebswirtschaftlichen Analyse setzte sich die Abteilung Controlling mit ihrer Einschätzung durch, dass die Kosten dieser Musik für die Massen[12] doch auch besser an ebendiese weitergegeben werden müssten. An dieser Stelle rief der Konzernchef, der sich gerne als Häuptling seines Stammes sah, dann die Juristen an den Tisch[13].

 

#2 Betriebskosten

Betriebskosten sind die Kosten, die dem Eigentümer durch das Eigentum am Grundstück oder den bestimmungsgemäßen Gebrauch des Gebäudes, der Nebengebäude, Anlagen, Einrichtungen und des Grundstücks laufend entstehen (§1 Absatz(1) Satz 1 der Betriebskostenverordnung vom 25.November 2003).

 

Dem Vermieter entstehen Kosten, indem er Geld an die GEMA überweist, die ihrerseits etwas davon an diejenigen Künstler weiterleitet, die dort ihre Ergebnisse eines geistig-körperlichen Schöpfungsprozesses vermarkten lassen[14]. Die Kosten entstehen laufend, denn erstens zahlt der Vermieter monatliche Abschlagszahlungen und zweitens fällt auch die Leistung der Musik laufend an, sogar „On Demand“.

Mitnichten geht es um den Gebrauch von Anlagen, da sogenannte Stereoanlagen schon lange nicht mehr existieren. Musik wird ausschließlich über fest eingebaute Wohnungslautsprecher abgespielt, die im Wege einer Modernisierung gem. § 555b Nr. 4 und 5 BGB in nahezu alle Bestandsbauten innerhalb von etwa vier Jahren eingebaut worden waren[15]. Ja, der Gebrauchswert der Wohnung hat sich tatsächlich nachhaltig erhöht, von der dauerhaften Verbesserung der allgemeinen Wohnverhältnisse gar nicht erst zu sprechen.

Der bestimmungsgemäße Gebrauch des so ausgestatteten Gebäudes, der Wohnung, liegt darin, dass durch die einsetzende Musifizierung ein massiver Rückgang von Einbrüchen erzielt wurde und noch wird. Die Smart-Homes erkennen es sogar, wenn sich eine wohnungsfremde Person unberechtigt Zugang zur Wohnung verschafft und reagieren mit teils unglaublicher Musik[16]. Die Musik wird nach Identifizierung der Einbrecher (via Video[17]) genau darauf abgestellt, was ihn (oder sie) zum Erbrechen und sonstigen Unwohlsein bringt[18].

Somit ist das Abspielen der Musik in dieser Weise zu einem integralen Bestandteil der modernen Wohnungsnutzung geworden. Deren Kosten sind also Betriebskosten. Daran ändert auch nichts die insoweit abweichende Ansicht, der zufolge Vorsorgemaßnahmen als Instandhaltungsmaßnahmen zu bewerten sind, „wenn Erneuerungen schon vor dem Auftreten von Mängeln getätigt werden, z.B. um einen Ausfall einer in absehbarer Zeit zu ersetzenden Einrichtung von vorneherein zu verhindern“[19]. Ohne jetzt in allzu kleine Detailbetrachtungen abzuschweifen, kann man doch festhalten, dass die freie Wohnungsverfügbarkeit von Musik zu den regelmäßig anfallenden und nicht durch eine konkrete Störung durch Einbrecher (z.B.) veranlassten Maßnahmen und somit ohne Weiteres zu den sogenannten “Sonstigen Betriebskosten“ des § 2 Nr. 17 BetrKV gehört.

Die Umlegbarkeit der Musikkosten im Wohnraummietverhältnis nach dieser Vorschrift erfordert im Mietvertrag eine ausdrückliche Nennung dieser Betriebskostenart. Fehlt sie, kann sie nicht sofort im ersten Abrechnungsjahr an den Mieter weiterbelastet werden.

Dies ist Ausfluss des mietrechtlichen Grundsatzes, wonach der Vermieter die auf der Mietsache ruhenden Kosten und Lasten zu tragen hat (§535 Absatz (1) Satz 3 BGB). Will der Vermieter diese Kosten im Rahmen des nach der BetrKV Zulässigen auf seinen Mieter überwälzen, bedarf es einer insoweit eindeutigen Vereinbarung im Mietvertrag.

Bislang fehlt es in ca. 99,9 % aller standardisierten Mietverträge an einer solchen Vereinbarung. Umlagefähig sind diese Kosten dennoch – wenn auch etwas verzögert, dazu gleich – sofern der Vermieter mit dem Mieter bereits eine sogenannte Mehrbelastungsabrede getroffen hat[20]. Man kann sich zugunsten der Vermieterseite jedoch sogar durchaus auf die Gegenmeinung in der Literatur stützen, welche die Ansicht vertritt, dass das Umlagerecht auch bei fehlender Mehrbelastungsabrede besteht[21].cropped-dscf0220.jpg

In jedem Fall muss die Erhöhungserklärung in Textform abgegeben werden und dem Mieter zugehen. Die Erhöhungserklärung ist nur wirksam, wenn in ihr der Grund für die Umlage bezeichnet und erläutert wird (§ 569 Absatz (1) Satz 2 BGB analog). Die Einführung gilt sodann erst für den nachfolgenden Abrechnungszeitraum[22].

 

#3 Zukunft / Ausblick

Musik, Wohnung und Sicherheit, das ist der Dreiklang, der schon jetzt Wirklichkeit wurde, dank der wohnungswirtschaftlichen Innovationsfähigkeit[23]. Die Umlage der wie immer viel zu hohen Kosten geistiger Schöpfungsprozesse auf die Mieter entspricht auch zukünftig den betriebskostenrechtlichen Grundsätzen, einschließlich dem ebenfalls eingehaltenen Wirtschaftlichkeitsgrundsatz. Straf- und Gewalttaten gegen Wohnungen nehmen ab. Die Menschen fühlen sich noch sicherer. Manche mögen sagen, es könnte schrecklich langweilig werden, da die Musik nur noch funktioneller Natur ist. Aber das war sie schon immer. Die Bankräuber der Informationsbank hatten schlichtweg keinen Erfolg. Und die Zukunft[24]? Sie liegt in Wettbewerben über Musik und in Büchern[25]. Sie liegt in ruhigen Wohnungen mit totaler Musikverfügbarkeit, schöner Hören und schöner Wohnen sind eins, man gewöhnt sich an fast alles[26]. Der Baustil erlaubt es, fast die doppelte Anzahl an Bewohnern in Häusern unterzubringen gegenüber der üblichen althergebrachten Bauweise[27]. Funktionelle Musik spielt hier eine sanft unterstützende Rolle. Alles fließt, die doppelstöckige Zukunft ist der unbekannte Ozean, zu dem die Musik uns langsam den Fluss entlang führt[28].

[1] Prefab Sprout / Til The Cows Come Home / Protest Songs

[2] Genesis P. Orridge / Information / Decoder Soundtrack

[3] Sarah Vaughn / De Gas Pipe She’s Leakin’ Joe

[4] Earth Leakage Trip / No Idea / Back To Mine: Orbital

[5] Renegade Soundwave / Probably A Robbery

[6] Genesis / Robbery, Assault And Battery / A Trick Of The Tail

[7] Jane Horrocks & Robbie Williams / Things

[8] Oasis / Don’t Look Back In Anger

[9] The New Radicals / You Get What You Give

[10] BVerfG, Urteil vom 31. Mai 2016 Az 1 BvR 1585/13

[11] Starsailor / Silence Is Easy

[12] Depeche Mode / Enjoy The Silence / Music For The Masses

[13] Betty Hutton / Doctor, Lawyer, Indian Chief

[14] Mutter / Die Welt Ist Nicht Für Mich GEMAcht

[15] Abba / I Let The Music Speak

[16] EMF / Unbelievable gefolgt von Einstürzende Neubauten / Halber Mensch

[17] The Buggles / Video Killed The Radio Star

[18] Vorsicht: Die 4 Holterbuam / Der Jodlerbua kann zu schweren inneren Verletzungen führen

[19] BGH, NJW 2007, S. 1356

[20] Blank / Börstinghaus; Miete, Kommentar, 4. Aufl. 2014, § 556 BGB Anmerkung 116

[21] Langenberg, Betriebskostenrecht, 3. Aufl. Rdn. C 50; Harz/Schmid ZMR 1999, 597; a.A. Kinne GE 1999, 1544

[22] Pet Shop Boys / Rent

[23] höre hierzu auch: Die Guhl Material Sekte / Hamburger Immobilien Symposium / Operation Pudel 2010

[24] Aphex Twin / Unreleased Tracks (Luke Vibert Remix – Future Music Competition)

[25] The Books / The Future, Wouldn’t That Be Nice?

[26] Roger Cicero / Aber Schöner War’s Ohne

[27] Genesis / Get’em Out By Friday / Foxtrot

[28] Richard Hawley / The Ocean

16 Neue Gedanken, neues Essen

Foto(1)

 

Die Frage, ob es schöner ist, hinten auf dem Müllwagen zu stehen oder vorne im Fahrerhaus zu sitzen lässt sich dadurch beantworten, dass man es abwechselnd ausprobiert, also zum Beispiel im Winter vorne und im Sommer hinten. Ein Mixen geht hier nicht, man hat hier pro Saison einen festen Platz in der Ordnung der Welt.

Innenballistik ist die Lehre von dem Vortrieb durch explodierende Geschossladungen innerhalb eines hohlen Vortriebkörpers. Dass bei Operationen derlei ballistische Geschosse dazu führen, dass einer der Operateure schon mal seine Armbanduhr verliert, gehört in das Reich der Dichtung.

Soweit ich weiß, ist die Fangemeinde des Thermomix keine anerkannte Glaubensgruppe. Daher können dessen Hersteller auch nur durch Spenden existieren. Man bekommt aber als Spender zum Beispiel auf Knopfdreh aus x-beliebiger Masse ein vegan- und eifreies Frischkäsemix, ein Wunder, auf das so manche Kirche neidisch sein dürfte. Das Ganze in einem Kleinstkraftwerk auf wenigen Quadratzentimetern. Es wird durch die verlorene Armbanduhr und deren Unruh betrieben. Man hat sie im Müllwagen in Altenessen gefunden, hinten stehend, nicht vorne sitzend. Und wieder ist ein Kreis geschlossen.

Innenhunger:

Bohren und der Club of Gore /// Thrash Altenessen /// https://www.youtube.com/watch?v=FuseFynx2z0

Jad Fair & Yo La Tengo /// X-Ray Reveals Doctor Left Wristwatch Inside Patient ///

Kraftwerk /// The Robots /// The Mix /// https://www.youtube.com/watch?v=okhQtoQFG5s&list=PL8aTvsLIsZfOY6b5DgOfP9asxerdSZwnv&index=2