00010101 Im Inneren der Maschine

Maschinen sind Erfindungen. Erfindungen, die dem Menschen das Leben erleichtern sollen. Sie schaffen das in vielen Fällen, in manchen Fällen verändern sie es nur. Man nimmt alles schmutzige, mit Kuchenresten bekleckerte und sogar das mit Eigelb verklebte Geschirr und stellt es in eine dann blickdicht abgeschlossene Box, drückt auf einen Knopf, der die Temperatur regelt, füllt noch ein Pulver oder Brikett hinein und los geht’s.

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An dieser Stelle könnte man berechtigter Weise vergleichend über Spülmaschinen und händisches Spülen debattieren, eine Gesamtökobilanz unter Einbeziehung der Herstellungsenergie erregt ins Gespräch bringen, die Rohstoffverknappung durch die verwendeten Edelmetalle argumentativ aufspießen und überhaupt über das Weltsystem ängstlich nachsinnieren, das durch die Elemente der Rohstoffmenge, Umweltverschmutzung, Nahrungsmittel pro Kopf, Bevölkerungszahl und Industrieproduktion pro Kopf grundlegend ausgemacht wird, doch hier soll es um grundlegendere Angelegenheiten gehen, die endlich einmal verhandelt zu werden würdig sind, denn jedenfalls im Club der jungen Römer zählt die Welt nicht, die tanzen halt anders. Sie kennen keine Grenzen, weder solche des Wachstums noch der Sauberkeit oder des Schmutzes. Ihr Tun kommt aus dem Sein allein.cropped-dscf0008.jpg

Jenseits der Clubs in Rom macht man sich bislang auch eher am Rande so seine Gedanken, wie es im Inneren einer Maschine aussieht. Was denkt sie, was fühlt sie – was geht in ihr vor, wenn man sie Nichts achtend Jahr um Jahr füllt, anstellt, mit Klarspüler und Spezialsalz füttert und wieder ausräumt? Die Menschheit glaubt zu wissen, wie es innerhalb der Spülmaschine wirklich aussieht. Sie hat gläserne Türen angebracht und kann so den Waschvorgang minutiös betrachten und eingehend beschreiben. Wie das Wasser in die Maschine gepumpt wird, wie es über einen Sprüharm in ihr verteilt wird, dort von den Tellern den Ketchup löst, den Lippenstift von den Gläsern, hier noch die Kartoffelstärkereste ins ultimative Nichts auflöst. Wie sie aus Wasser Wein macht und dann die Gläser trocknet mit ihrer Wärme. Der Wissenschaftler sitzt also vor der Maschine und schaut sinnierend auf die symphoniegleiche Betätigung im Inneren des Kästchens. Verändert er einen der Parameter dort drinnen – was für Auswirkungen hätte dies auf einen der grundlegenden Parameter der Welt wie wir sie kennen und ist es das, was die Maschine auch denkt und fühlt? Voglio regovernare compatibile con l’ambiente.

Es gibt da Umweltschützer, die spülen natürlich wassersparend mit einem AAA-Spülmaschinenmodell (AAAA gab es noch nicht, als die exponentiell angewachsenen Umweltschutzvorstellungen die Weltsicht übermannten und die meisten Menschen sich eine kauften, und Verschrotten lohnt sich seitdem bekanntlich erst, wenn das überholte Modell wirklich kaputt ist). Mit Ausnahme von Alugusspfannen und edlen Gläsern, die zusätzlich per Hand gespült werden, solange sie das aushalten, kann man viel Freude an dieser Maschine haben und die Maschine auch an ihrem Tun, Umfragen unter Maschinen und deren Haltern haben dies immer wieder bestätigt. Ändert man nun den Umweltverschmutzungsgrad so gilt als unbestätigtes Ergebnis, dass diese Zahl allein nicht den ihr ursprünglich zugedachten Wert hat. Wichtiger als der Zahlenwert allein ist die Struktur der Spülmaschine – welche Einzelteile sind wie zueinander angeordnet? Umweltschonende Maschinen können auch im Idealfall immer mehr Geschirr reinigend beherbergen, bestehen aus Lavagestein und werden innerhalb der immer größer werdenden Familie über mindestens drei Generationen hinweg weitervererbt.

Diese Eigenart führt ohne Umweg in die Gegenwart zurück zu der Problematik der zu kleinen Spülmaschine. Man müsste dem Wunsch von ca. 90 % der Maschinen befüllenden Menschen zufolge eine Spülmaschine im Haushalt haben, die mehr als die tägliche Summe der Geschirrstücke aufnehmen könnte. Experimente mit einem um 90 Grad gedrehten Innenleben der Spüleinheit haben gezeigt, dass bei der damit einhergehenden horizontalen Besprühung der Geschirrteile viel mehr Teile hineinpassen. Allerdings ist die Schadensquote durch herausfallende Teller auch entsprechend hoch, so dass mit diesem Perspektivwechsel keine Tasse zu gewinnen ist. Gleichwohl verbleibt das Ärgernis der auch bei modernster Maschinentechnik immer zu wenig Platz bietenden Innenräume. Deren Design wurde – nicht nur von Italienern – zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Vielleicht sollte man sich auch einfach ab und zu einen Lehrfilm zum richtigen Befüllen der Spülmaschine anschauen, welcher keine falschen Tatsachen vorspiegelt.

Digital-Analoger Abwasch: http://www.youtube.com/watch?v=T5Nhh6SnkUY

Pulp / Dishes / http://www.youtube.com/watch?v=Yk44Xq2OQLw

Falco / Junge Römer / http://www.youtube.com/watch?v=jhDzm4APpoA

Bad Company / Trick Of The Light / Album: Inside The Machine / http://www.youtube.com/watch?v=L3xqZQ5-2vw

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