00010100 El Rey De Cables

IMG_1616In der Zeit der Kabel gebundenen Kommunikation war man König, wenn man es verstand, Verbindungen gut herzustellen. Der König der Kabel war nicht etwa so etwas wie ein Rattenkönig, der Sage nach eine Krone aus ineinander verflochtenen Tierkörpern, nein, er beherrschte das Chaos von Knoten und Schleifen. Wer jemals die Freude hatte, Kabel zu entwirren kennt die Erleichterung, wenn ein Packende in Sicht ist.

Das Zusammenstöpseln von Stereoanlagen war immer schon ein königlicher Festtag, die wunderbaren Lautsprecherkabel, die im Laufe der Jahre immer andere Steckenden bekamen, waren so – unvergleichlich schön. Es hat so mancher Schwärmer sein Herz an eine schlechte Verbindung verloren, nur um sie zu verbessern, die Stecker zur verändern, neue Kupplungen zu entdecken.

Die Welt der Kabelfreunde ist eine kleine, ihr Tempel ist der Elektromarkt, der zu Feiertagen auch ein Vorratsheftchen mit vielen wunderschönen Bildchen der wunderbaren Kabelwelt herausgibt, offizielles Fan-Magazin. Ja das Leben ist voll von Kabeln und manchmal gibt es sie für ganz schwer Erkrankte auch zur anderweitigen Lebensunterstützung, da wo es nicht so lustig zugeht. Diese Kabel gehen in den Körper rein, sie kommen raus und transportieren in den seltensten Fällen elektrische Signale.

Königsdisziplinen im Kabel Stecken ist heutzutage das Verbinden von DVB-T-Receivern mit Beamer und Stereoanlage. Die Kabel sind dabei so über den Fußboden zu verlegen, dass sie möglichst unsichtbar sind. In Kliniken gibt es hierfür wenig Bedarf, da die Sounds dort anders präsentiert werden, nur über Kabelfernsehen, das nicht so viele Kabel braucht. Man schließt es einfach an die Antennenbuchse an, die irgendein Fremdelektriker vor Jahren verlegt hat und kann dann die neuen Tanzshows über Kopfhörer verfolgen, die wiederum über Buchsen an Krankenhaustischchen angeschlossen sind. Buchsenstylisten haben sich das ausgedacht und ein offenes Ohr in der Klinikausstatterbranche gefunden So kommen auch hier durch einfache Verbindung ungewöhnliche Berufssparten zueinander.

Man muss sich das Treffen diesen Species so vorstellen wie auf einer völlig kranken Audio- und Videokabelmesse: es gibt Vertreter für tolle Cinch-Verbindungen auf Klinke, Unternehmer mit HDMI auf VGA, dann gibt es die Leute, die auf Kabel einfach stehen, z.B. female auf male, Kupplungshersteller, Zwischenverstärkerliebhaber. Jedenfalls sagt da auch der Krankenhausdiplomdesigner dem Buchsenchef: „Ey, geiler Anschluss.“ Erwidert der andere: „Superladen, das mit den Betten und den Musikanschlüssen.“ Ein Kontakt ist hergestellt, alles Weitere wird gut und besser.

Das Abhören war übrigens in dieser Kabelreichen Telekommunikationszeit auch deutlicher zu hören, hier ein Knacken, wo es nicht sein sollte, dort ein unvermutetes Rauschen – die Spione waren in den Kabeldrähten. Wo sie heute sind? Weg. Unsichtbar. Was ich nicht sehe und höre, ist nicht existent. Also: geht es weiter, in der kabellosen Hölle.

Yazoo / Bad Connection / http://www.youtube.com/watch?v=0NN-9c-obto

Senor Coconut / La Vida Es Llena de Cables / http://www.youtube.com/watch?v=0uGKpi-CzAI
Athlete / Wires / http://www.youtube.com/watch?v=8prU7Y5K23k

Major Lazer / Pon The Floor / http://www.youtube.com/watch?v=Yo98Ou2ew5M

Cabaret Voltaire / Spies In The Wires / http://www.youtube.com/watch?v=TMwFXRCGIHI

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