#3 Ablenkung

Als Ablenkung bezeichnet man im Allgemeinen die Lenkung einer Figur von einem bestimmten Problem weg zu einem anderen Thema, das man zu diesem Zweck in den Vordergrund stellt. Das kann durch grelle Farben oder bestimmte Formen, wie Rauten geschehen, manches Mal auch durch grelle Äußerungen politischer Natur.

Die Ablenkung funktioniert umso besser, desto krasser der Störimpuls ist. Sie gehört zu den Grundtaktiken im menschlichen Umgang miteinander. Sie wird beispielsweise auch eingesetzt, um vom Drogenkonsum abzulenken, der im Dunkeln der Macht stattfindet. Nur wer starker Raucher von psychoaktiven Substanzen ist, der kann auch ein steinernes Gesicht bewahren, selbst wenn die Vorwürfe auf Lügen und Betrügen hinauslaufen.

Die Ablenkung kann auch durch bunte Kleider erfolgen, die von Formen der Hände ablenken. Jedenfalls geht es oft um die Wahrheit und die Wirklichkeit, die verschleiert werden sollen, um sich selbst oder einer präferierten Gruppe Vorteile gegenüber Mitbewerbern zu verschaffen. Die Ablenkung von Schutzfiguren gehört zu den elementaren Motiven in der Politik. Weitere wichtige Grundmotive sind die Schwächung der Grundreihe, die Räumung, die Fesselung, die Hinlenkung sowie der Doppelangriff Die Taktik der Ablenkung ist auch bei Computerspielen gebräuchlich.

Farben / Raute / https://www.youtube.com/watch?v=utBMoR5yoBE

Andreas Dorau/T.Eckart / Stoned Faces Don’t Lie / https://www.youtube.com/watch?v=gD–LbrY7I4

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#2 Krawall im den Dimensionen Zeit und Raum

Global denken und lokal handeln ist auch für den Krawall ein denkbarer Weg. Schon seit Jahrzehnten. Die internationale Geschichte des Aufstandes, also des organisierten oder spontan vernetzten Aufstehens ist davon geprägt, einerseits nach außen hin eine Abgrenzung zu erzielen, wie zum Beispiel durch das Tragen von übergroßen Anzügen mit riesigen Ketten und bunten Krawatten gegenüber all den anderen Normalanzugträgern. Das „dagegen“ ist also dem Aufruhr immanent. Und doch ist es auch ein „dafür“. Der Absatz oder der Diebstahl bestimmter Kleidung ist ja auch der Ausdruck dessen, dass man sich hierüber und auch untereinander identifizieren kann. Indem man Riesenanzüge trägt oder schwarze Kleidung, die einen uniformiert und damit unkenntlich macht. Identifikation bis zur Unkenntlichkeit, wie bei einem Konzert alter Rocker oder sonstiger Crusties.

Das System der Schuldlosigkeit durch Tragen von Uniformen hat im anderen Sinne auch schon immer funktioniert. Die Jugend war dabei für Krawall prädestiniert. Von ihr erwartet man den mit Krawall verbundenen Lärm am ehesten. Ist man erst einmal jenseits bzw. diesseits der Zahl 20, dann wird das mit den Erwartungen an Krawall, Aufruhr und Lärm auch entspannter. Man gehört dann eher zu dem Lager, in dem das alles analysiert und nostalgisiert wird. „Da in Afrika, das war aber echt ein Aufstand“, „Weißt Du noch, unserer Krawall 1995, ach war das schön“, „Damals in der Polizeiwanne, Hammer“. Oder man ist Anwohner, Besitzer eines in Flammen aufgegangenen PKW und weiß nicht, wie man jetzt die Kinder zur Kita bringen oder selbst zur Arbeit kommen soll, da der Wagen von den Krawallleuten angezündet wurde. Ob dieser Probleme könnte man selber zornig werden und die Autos des anderen Blocks anzünden, wenn man sie denn findet. Und schon ist man als Mensch im Krieg mit anderen Menschen, ob in Lagos oder in 1995. Calvin und Hobbes hatten doch schon recht.

Cherry Poppin’ Daddies / Zoot Suit Riot / https://www.youtube.com/watch?v=rq7fuCRJULk
Atari Teenage Riot / Riot 1995 / https://www.youtube.com/watch?v=_6YB3b0qTzU
Ryuichi Sakamoto / Riot In Lagos / https://www.youtube.com/watch?v=DYesqFjGPGQ
Arctic Monkeys / Riot Van / https://www.youtube.com/watch?v=tmf6q7ENav8