Ich schwöre, ich wäre so gerne Popstar geworden. Die haben schon von Anfang an genügend Geld und können sich ihre Groupies nach deren frisörerischen Qualitäten aussuchen. Mit einer Erkenntnis wie dieser über die Berufswahl fing meine kleine textliche Reise durch die Welt der Popmusik vor mehr als 12 Jahren an. Ob ich mich noch immer dergestalt äußern würde, wird sich im Rahmen dieses Textes vielleicht entwickeln. Jetzt dürfte es aber nicht mehr dazu kommen, ist meine Vermutung. Ich habe jedenfalls nicht meine Haare selbst geschnitten und auch nicht die anderer Menschen. Wieder eine Möglichkeit für eine Spätentwicklung verpasst.
Arzt oder Frisör sind mir damals in Zeiten der Möglichkeiten zur Berufswahl auch nie durch den Kopf gegangen. Und so stehe ich auch derzeit nicht wie diese Edlen im populären Rampenlicht. Der Respekt vor dem Beruf des Arztes und der Ärztin dürfte zu einem der größten in der Welt gehören. In einer Zeit, in der musikalische und andere künstlerische Popstars nicht mehr auftreten können und um ihre Relevanz fürchten müssen, treten nunmehr die wahren Helden auf die Bühne.
Und in Kürze werden es die Koiffeurinnen und Frisöre, Barbierinnen und Barbiere sein, die elegant mit Schere, Kamm und Langhaarschneider vor der Kamera posieren können – wenn, ja wenn sie bis hierher finanziell überlebt haben. Manche haben das Überleben mit einer Kombination aus Arzt oder Frisör und Popstar versucht. Auch diese Kombi schützte aber eine Gruppe der Ärzte nicht davor, in einer Nachrichtensendung auf ihr neuestes Ouevre aufmerksam machen zu wollen, sie, die doch wahrscheinlich die Rockerrente schon durch hatten. Dabei wäre es ausreichend, wenn man Querwerbung betriebe, also Ärzte für Frisöre, Frisöre für Popstars und Popstars wieder für beide.
Die Rente haben die mir bekannten FrisöreInnen, singend oder nicht, noch nicht durch. Sie warten darauf, ihrem Werk im kleineren Rahmen nachzugehen und werden ihren Popstarladen immer wieder abschließen, bevor sie ihre eigentliche Profession ausüben. Bleibt zu hoffen, dass die neueste, die dritte Welle eine ist, die auf den Haaren ihrer Kunden stattfindet und als Wasserwelle oder saure Welle retrovirusmäßig für Entzücken allerorts sorgt. Mit gut liegenden Haaren kann dann wieder jeder für 15 Minuten Popstar sein.
Thomas D. / Frisör / https://youtu.be/F-IXoYnFT4Q
Die Ärzte / Mein Baby war beim Frisör / https://www.youtube.com/watch?v=iC4dyR7_isY
Nouvelle Vague / Waves / https://youtu.be/LM1-CCxtsRo