Eine kurze Geschichte des Tourismus

Machen wir es kurz: Kreuzfahrten, Holländische Italienreise, britische Tour de France, Tod auf dem deutschen Nil, Reisen für Seife und Haut von Jederfrau, Ende der Geschichte des Tourismus. Danach ist alles nichts mehr, außer eine ewige Ortsveränderung mit permanentem Stillstand. Es ist nicht einfach, alles in a nutshell zu packen, vor allem die gesamte Geschichte…

Machen wir es kurz: Kreuzfahrten, Holländische Italienreise, britische Tour de France, Tod auf dem deutschen Nil, Reisen für Seife und Haut von Jederfrau, Ende der Geschichte des Tourismus. Danach ist alles nichts mehr, außer eine ewige Ortsveränderung mit permanentem Stillstand.

Es ist nicht einfach, alles in a nutshell zu packen, vor allem die gesamte Geschichte des Tourismus. Beim Jazz hatte man es mit vier Wörtern deutlich einfacher („Louis Armstrong, Charlie Parker“). Aber Jazz ist nur eine Musik, während im Tourismus auch noch andere Glaubenskämpfe geführt werden. Das fing schon im Mittelalter an, und zwar mit Pilgerfahrten und solchen zum Kreuze. Es war noch eine Zeit, in der die Reisenden für etwas kämpften und auch starben, also eine erste Glaubensreisezeit. Glauben, Reisen, Sterben – so war das organisiert von einem Reisebüro der speziellen Art. Dieses Büro sorgte nämlich dafür, dass alle nur zu diesem einen Ort wollten, just an dem das Reisebüro seine Zelte und Burgen aufgeschlagen hatte. Eine besonders clevere Marketingstrategie. Eine Strategie, die noch bis heute anhält. Alle wollen dorthin. Und da es sich um einen eher übersichtlich kleinen Ort handelt, sind die raren Reise- und Übernachtungsplätze hart umkämpft, die Claims der verschiedenen Reisebüros abgesteckt.

An diese erste Tourismusphase – die ja aktuell auch wieder en vogue ist – schloß sich sodann ein etwas beruhigter und entschleunigter Aktivitätenabschnitt an. Zwar war Reisen unverändert gefährlich, die Reisenden hatten jedoch selbst nicht mehr das kriegerische Interesse und also auch weniger Waffen dabei. Vielmehr zog es die Wenigen, die es sich erlauben konnten – reich, von Adel und gebildet – ab nach Italien und Griechenland. Man nutzte die sichere wenn auch teure „Extrapost“, bestand auf einem eigenen Reisebett und Zylinderkasten (also einem Behältnis für Hüte, nicht etwa einem Ersatzmotor) und versuchte, der kriegerischen wie mythischen Antike nahe zu kommen. Besonders gut darin war ein Niederländer aus Alkmaar, der schon damals reimte – „Goethe war gut, Mann, der konnte reisen – wenn ich es versuch‘, schwitz ich Fritjes und Blut.“ Bis Alkmaar kamen im Übrigen die bewaffneten spanischen Reisegruppen – nicht. Alkmaar blieb die uneroberte Schönheit, die sie auch heute noch ist.

Apropos marodierende Reisende. Der Erfinder der Sauftour im Ochsenkarren, der Zugfahrt mit Schinkenbrot, von Britannien in die ganze Welt, war natürlich ein Brite. Mit einem kleinem und einem dicken Bretonen zusammen organisierte er die Rundfahrt durch Frankreich und brachte dort insbesondere fritierte Kartoffelstäbchen mit an die Themse. Aber es war nicht leicht, die Briten von den Vorzügen der Rundfahrten zu überzeugen. Am Ende schaffte es der schlaue Mensch aber doch, auch wiederum dank eines einleuchtenden Marketingkniffs – er nannte diese Schinkenbrotfahrten „große Tour“ – Tourism war geboren, alle wollten in die immer südlichere Sonne, dachten, Magaluf sei auch eine französische Ortschaft und ließen sich glücklich auf den Ochsenkarren dorthin die Haut verbrutzeln.

Von den speziellen Wünschen reisender Dichterfürsten über die Sauftouren around the world ware es nur ein logischer kleiner Sprung – hin zu Luxusreisen und zu den Bädertouren. Geld, Zeit, und etwas erleben wollen. Abenteuer, die sich aufschreiben ließen („Tod auf dem Nil„). Gemeinsam gegen die dortigen Insektenplagen kämpfen („Mücken in Moskau„). Wobei die Bäder nicht so sehr in der Kühle des Ostens, als vielmehr an Orten liegen, in denen es sich schon aus thermal-thermischen Gründen gut baden ließ.

Am Ende stand dann die Profanisierung und Plebejiszierung des Reisens: Reisen für Jedefrau. Seife an Haut, nach dem Baden in Baden-Baden reist man gereinigt durch die Welt und durch alle ihre Königreiche.

Chris de Burgh / Crusader / https://youtu.be/h6SkaFMTihI?si=h4hRbDgCrg9jXPS1

Rudi Carrell / Goethe war gut / https://youtu.be/__pll7gNU0Q?si=6cEMW3UULOvY7bux

Kraftwerk / Tour de France / https://youtu.be/rTe7U92ecX8?si=kZ2_6ZZM8HcmhNK9

Madness / Night Boat to Cairo / https://youtu.be/lLLL1KxpYMA?si=7x7BW4nQLJJ9HDrZ

Clan of Xymox / Muscoviet Mosquito / https://youtu.be/58XbwXgIcYg?si=g2-WwfC6BI1kT_Ii

Soap & Skin / Voyage Voyage / https://youtu.be/lLLL1KxpYMA?si=7x7BW4nQLJJ9HDrZ