6 Tracks für den Februar 18

 

 

rhye: the fall
https://www.youtube.com/watch?v=JJS5ywEIsA4

the thrills: not for all the love in the world
https://www.youtube.com/watch?v=_BGtpyonWGc

abba: the day before you came
https://www.youtube.com/watch?v=1HnOFwqpLRQ

nick cave: to be by your side
https://www.youtube.com/watch?v=P0v9vd4JEeo

sojus1: 030
https://www.youtube.com/watch?v=05Te09zysE8

 

the streets: burn bridges

 

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10 Linksdrehende Supermärkte tanzen wie Mods

Die Präsidentin der Welt dachte einst, in der Republik Südafrika hieße der Weltmeisterschaftsball „timo pepo“, das Swahili-Wort für „Teamgeist“. Da war die Präsidentin, eine frühere Königin, aber schief gewickelt, denn diese Sprache wird vor allem im Lande Mosambique gesprochen, während das Burische Afrikaans immer noch in der Kapregion vorherrscht, neben 21 anderen Landessprachen.

Also sagte die Präsidentin nach einer kurzen Zeit des Briefings – durch ihren Assistenten aufgeklärt – zu sich selbst „bemanning animo“, was aber irgendwie so falsch gedreht klang wie ein Supermarkt, der anstatt wie alle anderen rechtsherum ausgelegt zu sein, auf einmal linksherum führt. Diese Drehung kann zur Verwirrung sogar bei den Teammitgliedern des Marktes, also der weiblichen Bemanning, führen und die Diskussion zwischen Bemanningmitgliedern hierüber wiederum zu Schlangen an der Kasse, die einen jungen Mann wie eine präsidiale Exkönigin eher angestrengt aus dem Trikot schauen lassen.

Trikotagen und Strick- sowie Wirkwaren sind auch nicht immer jeder Königin Sachen, sondern eher die von wunderbaren Frauen, die jene Sachen auch gerne als maritim in rundherum und nicht einseitig links oder rechtsausgelegten Oberbekleidungsmittelklassekaufhäusern verkaufen.

Die Verkaufsabsichten werden nun einmal am besten unterstützt, schickt man den armen verwirrten Mensch auf einen Rundkurs. Die Präsidentin sah dies ein und wollte auch zur allgemeinen Verwirrung ihre Vorstellungen eines zeitgemäßen Umgangs mit Sport und Verkauf unmittelbar einbringen und entschied, dass in einem Testsupermarkt der Verkauf im Uhrzeigersinn verlaufen solle.

In der Leichtathletik laufen die Menschen gegen den Uhrzeigersinn um die Kurven, also im Grunde rechtsherum. Diese Richtung hat auch in Australien Bestand, wahrscheinlich, weil man die Weltrekorde im Rechtsherumlaufen nicht gefährden will. Von den Weltrekorden im Linksherumlaufen hört man hierzulande leider recht wenig.

Der Trainingsmöglichkeiten in Supermärkten dieser Orientierung gibt es auch zu wenige, um eine stabile Fangemeinde aufbauen zu können. Weltrekorde sind noch sehr weit entfernt, so dass man im Grunde sehr schnell einen solchen aufstellen könnte. Der Weltrekord im Supermarktdurchlaufen mit Hindernissen ist jedoch am Ende von den Kassenkräften abhängig, egal ob links- oder rechtsherum. Den abgekämpften FremdgeldzählerInnen ist es nach neun Arbeitsstunden herzlich gleichgültig, dass man vielleicht für Olympia ausgerechnet und nicht gerade sondern linksherum in ihrem Supermercado trainiert.

Das alles hatte die Präsidentin natürlich nicht gewusst und auch nicht bedacht, denn eine Präsidentin wie eine Königin geht selten einkaufen, will sich aber dennoch gerne in das Leben ihrer Untertanen einmischen. Man kennt das ja.

Die Kassenmenschen müssen hingegen auch noch neben ihrer Arbeit selbst einkaufen und zu diesem Zweck und zur Zeitersparnis dann zwischendurch mal dran kommen, wobei man sie gerne vorlässt, selbst wenn dann zumindest ein neuer deutscher Rekord nicht mehr erreichbar ist. Ärgerlich ist dann zu sehen, was dort eingekauft wird, wofür man also höflich war. Die freundlich-sportlich und netten TrikotagenträgerInnen werden immer wieder nervös, wenn sie das erleben müssen.

Kasse kauft für den Kühlschrank ein, der anscheinend all die gekauften Dinge isst. Denn die Einkäufe kann kein Mensch allein aufessen, auch nicht in familienähnlichen Strukturen, selbst nicht mit Unterstützung kassenfremder Kräfte. Es ist eine seltsame Welt, in der man Dinge für andere Dinge einkauft, also quasi für deren Bedarf. Der Kühlschrank lebt und will gefüttert werden. Der Kühlschrank ist die Alpenregion für die Wohnung. Es finden sich die seltsamsten Überreste vergangener Zivilisationen in ihm wieder, vor allem, wenn die Eiszeit vorbei ist.

In einem Kühlschrank haben sich sogar Mods taufrisch gehalten. Forschungen nach der Herkunft dieser seltenen Musikfreundespecies haben zu der Erkenntnis geführt, dass sie infolge ihrer seltsam taumelnden Tanzbewegungen kurz vor dem Aussterben waren, als einer von ihnen im Supermarkt linksdrehend in eine Gefriertruhe gefallen ist. Dies bemerkte eine Amerikanerin, die sich gerade in diesem Supermarkt aufhielt und die feststellte, dass sie nicht in Paris war und auch eigentlich keine Amerikanerin. Dennoch war sie so nett, genau wie der Trikotagenträger, und rettete den Mod, indem sie ihn mitsamt der Kühltruhe bei sich übernachten ließ und ihn dann in den Keller stellte. Dort hat er sich respektabel gehalten.

Hätte die Königin, will meinen „Exkönigin und Präsidentin“ um all diese Vorgänge in ihren Supermärkten auf aller Welt gewusst, wer weiß, vielleicht hätte sie sich dann auch ins Privatleben zurückgezogen, um den Ausgang des Sommers mit ihrem Exkönig, dem Präsidentengatten, zu betrachten. Denn sie wollte wie ihre Untertanen und MitbürgerInnen auch lieber trotz aller Aufklärung durch den Garten der Liebenden an diesen vorbei in den Herbst gehen, denn sie war eine gute Präsidentin, die allen SupermarktmitarbeiterInnen und –besucherInnen wie sich selbst nur das Beste wünschte. Und sie wusste genau, dass der Sommer bald vorüber gehen wurde. Ihre Berater hatte sie auf diese Geschwindigkeit der Jahreszeiten hingewiesen. Als ob sie das nicht auch selbst bemerkt hätte, die alte Mod.

Verwendete Musik:

Camping / „Wunderbares Mädchen“ / https://www.youtube.com/watch?v=o87tHuj3yIA
Superpunk / Das waren Mods / https://www.youtube.com/watch?v=eAsq-ezuZ28
Rupa & The April Fishes / Une Americaine A Paris / https://www.youtube.com/watch?v=IkpuAQIdoD4
The Horrors / Scarlet Fields / https://www.youtube.com/watch?v=5eRX4QHZLfo

#7 Die Insektenmaschine

Der Niedergang der Autoindustrie hat etwas mit dem Sterben der Insekten zu tun. Hierfür gibt es eine schlüssige Beweisführung. Ausgangspunkt ist die Feststellung, dass es in diesem Sommer erstmals nur ein Fünftel der üblichen Insekten gibt, die sich ansonsten vor allem für Menschenblut oder Süßkram auf den Terrassen der Republik begeistern. Versuche herauszufinden, wo die Tierchen denn geblieben sind, sind zum Scheitern verurteilt, weil ja bislang jedes Jahr eine neue Generation von Insekten hervorkam – woher die auch immer hervorkriechen. Jedenfalls sind sie in diesem Jahr eben nicht wieder hervorgekommen. Ein Kreislauf wurde unterbrochen. Das war die erste Feststellung in der äußeren Umwelt.

Klar ist, dass auch früher schon Insekten im Wesentlichen durch ihre unterschiedlichsten Todesarten aus der Masse der Geschöpfe hervortraten. Die meisten von ihnen waren dazu bestimmt, nur einen Sommer lang zu fliegen oder zu krabbeln. Wie viele wurden an Windschutzscheiben zermatscht, wie viele durch Insektenspray ins Taumeln gebracht, so dass sie benommen in Kerzen fallen mussten, um dort zu verbrennen? Fliege tot, um den Wind zu schützen? Insektenspray, um deren Haare hoch zu toupieren? Das sind doch alles Ideen des militärisch-industriellen Komplexes gewesen, um den Spaß am Insektentöten zu legalisieren. Massenmord, der Fahrfreude macht. Eine ganze Industrie hat sich an den Mückenleichen genährt. Und sich überfressen, wie es scheint.

Ein solches Insektensterben gibt es besonders häufig in Zeiten des politischen Wahlkampfes der Menschen. Und jetzt ist es in Deutschland wieder soweit. Bundestagswahl droht. Und eines der Wahlthemen ist das Auto, des Deutschen liebstes Insekt. Kein Mensch möchte mehr Autos kaufen, die mit Dieselpower fahren, bis auf Dienst-SUV-Inhaber, denen auch das egal ist. Die Politik unterstützt entweder die Nachrüstung der Dieselfahrzeuge oder deren Ersatz durch Stromfahrzeuge, deren Strom nicht durch Diesel erzeugt wird, hoffentlich. Der Grund ist angeblich, dass Diesel schmutzig ist und Menschen umbringt. Um die Insekten kümmert sich wieder keiner.

Der wahre Grund aber, dass keiner mehr Diesel haben will, ist die Erkenntnis, dass selbstentzündende Gemische beim Imkreisfahren besonders tödlich für die Insekten innerhalb dieses Kreises sind. Denn was wird am meisten im Kreis gefahren – Benzin, Strom, Wasserstoff? Es ist die Menschmaschine mit Dieselautomobil, also den sich selbst bewegenden Sesseln mit Dieselentzündung. Meistens auf Autobahnen, die einem Kreis, Oval oder Donut ähneln. Genau genommen also auf dem Weg zur Arbeit und wieder zurück. Man fährt aus der Boxengasse an der Seitenstraße des Arbeitslebens auf die Autobahn und kommt nach einem ausgiebigen Boxenstopp von 8 Arbeitsstunden zurück an den Ziel/Start-Bereich. 220 Tage im Jahr. Bei dieser Art des Dieselverbrauchs sind im letzten Jahr besonders viele Insekten gestorben, so dass sie nicht mehr rechtzeitig für Nachwuchs fürs Folgejahr sorgen konnten. Und weil die Autoindustrie keinen anderen Weg fand, sich bei den Insekten zu entschuldigen, haben sie sich überlegt, die Autos mit den meisten Insektentoten abzuschaffen, auf dass die Welt eine bessere werde, mit Insekten, welche die Blumen bestäuben, mit Bienen, die Obst und ab und zu einen Bienenstich produzieren und überhaupt mit mehr sechsbeiniger Fortbewegung. Ende einer Industrie, q.e.d.

Fad Gadget / Insecticide / https://www.youtube.com/watch?v=GTf5hzXtXPY 

Depeche Mode / Fly On The Windscreen / https://www.youtube.com/watch?v=KaJLuPMeokI

Kai Niggemann / Menschmaschine / https://www.youtube.com/watch?v=g1wesLlopsQ

British Sea Power / Apologies To Insect Life / https://www.youtube.com/watch?v=_doAObH_lQ4

The Prodigy / Diesel Power / https://www.youtube.com/watch?v=PwntZfuyJG0

#3 Ablenkung

Als Ablenkung bezeichnet man im Allgemeinen die Lenkung einer Figur von einem bestimmten Problem weg zu einem anderen Thema, das man zu diesem Zweck in den Vordergrund stellt. Das kann durch grelle Farben oder bestimmte Formen, wie Rauten geschehen, manches Mal auch durch grelle Äußerungen politischer Natur.

Die Ablenkung funktioniert umso besser, desto krasser der Störimpuls ist. Sie gehört zu den Grundtaktiken im menschlichen Umgang miteinander. Sie wird beispielsweise auch eingesetzt, um vom Drogenkonsum abzulenken, der im Dunkeln der Macht stattfindet. Nur wer starker Raucher von psychoaktiven Substanzen ist, der kann auch ein steinernes Gesicht bewahren, selbst wenn die Vorwürfe auf Lügen und Betrügen hinauslaufen.

Die Ablenkung kann auch durch bunte Kleider erfolgen, die von Formen der Hände ablenken. Jedenfalls geht es oft um die Wahrheit und die Wirklichkeit, die verschleiert werden sollen, um sich selbst oder einer präferierten Gruppe Vorteile gegenüber Mitbewerbern zu verschaffen. Die Ablenkung von Schutzfiguren gehört zu den elementaren Motiven in der Politik. Weitere wichtige Grundmotive sind die Schwächung der Grundreihe, die Räumung, die Fesselung, die Hinlenkung sowie der Doppelangriff Die Taktik der Ablenkung ist auch bei Computerspielen gebräuchlich.

Farben / Raute / https://www.youtube.com/watch?v=utBMoR5yoBE

Andreas Dorau/T.Eckart / Stoned Faces Don’t Lie / https://www.youtube.com/watch?v=gD–LbrY7I4

#2 Krawall im den Dimensionen Zeit und Raum

Global denken und lokal handeln ist auch für den Krawall ein denkbarer Weg. Schon seit Jahrzehnten. Die internationale Geschichte des Aufstandes, also des organisierten oder spontan vernetzten Aufstehens ist davon geprägt, einerseits nach außen hin eine Abgrenzung zu erzielen, wie zum Beispiel durch das Tragen von übergroßen Anzügen mit riesigen Ketten und bunten Krawatten gegenüber all den anderen Normalanzugträgern. Das „dagegen“ ist also dem Aufruhr immanent. Und doch ist es auch ein „dafür“. Der Absatz oder der Diebstahl bestimmter Kleidung ist ja auch der Ausdruck dessen, dass man sich hierüber und auch untereinander identifizieren kann. Indem man Riesenanzüge trägt oder schwarze Kleidung, die einen uniformiert und damit unkenntlich macht. Identifikation bis zur Unkenntlichkeit, wie bei einem Konzert alter Rocker oder sonstiger Crusties.

Das System der Schuldlosigkeit durch Tragen von Uniformen hat im anderen Sinne auch schon immer funktioniert. Die Jugend war dabei für Krawall prädestiniert. Von ihr erwartet man den mit Krawall verbundenen Lärm am ehesten. Ist man erst einmal jenseits bzw. diesseits der Zahl 20, dann wird das mit den Erwartungen an Krawall, Aufruhr und Lärm auch entspannter. Man gehört dann eher zu dem Lager, in dem das alles analysiert und nostalgisiert wird. „Da in Afrika, das war aber echt ein Aufstand“, „Weißt Du noch, unserer Krawall 1995, ach war das schön“, „Damals in der Polizeiwanne, Hammer“. Oder man ist Anwohner, Besitzer eines in Flammen aufgegangenen PKW und weiß nicht, wie man jetzt die Kinder zur Kita bringen oder selbst zur Arbeit kommen soll, da der Wagen von den Krawallleuten angezündet wurde. Ob dieser Probleme könnte man selber zornig werden und die Autos des anderen Blocks anzünden, wenn man sie denn findet. Und schon ist man als Mensch im Krieg mit anderen Menschen, ob in Lagos oder in 1995. Calvin und Hobbes hatten doch schon recht.

Cherry Poppin’ Daddies / Zoot Suit Riot / https://www.youtube.com/watch?v=rq7fuCRJULk
Atari Teenage Riot / Riot 1995 / https://www.youtube.com/watch?v=_6YB3b0qTzU
Ryuichi Sakamoto / Riot In Lagos / https://www.youtube.com/watch?v=DYesqFjGPGQ
Arctic Monkeys / Riot Van / https://www.youtube.com/watch?v=tmf6q7ENav8

7 Richtungen (alter Text)

Junge Menschen machen Blödsinn, Partnertausch machen nur Alte. Die sehen danach – also nach dem unweigerlich folgenden Rücktausch – auch voll ein, dass sie Quatsch gemacht haben und nichts für die Ewigkeit. Als wollten sie etwas für die Ewigkeit tun. Keiner weiß so recht wohin das alles führt, Hauptsache mit Überschallgeschwindigkeit. Dabei fallen einem schon des Öfteren die Hosen vom Hinterleib, so dass die Welt und die Königin staunt. Am Ende liegst du vor Lachen auf der Straße und wirst überfahren.

Es sitzt einer am Steuer, der nicht mehr zu stoppen ist. Er fliegt und rast und hat ständig heißen Sex. Vielleicht ein 52-jährige Technostar, der ratlos ist, denn er weiß nicht mehr wie er mit seiner Frau umgehen soll. Diese noch jüngere Discokugel dreht sich nur noch um sich selbst und hört seltene Musikrichtungen wie Grebo und frisiert sich neuerdings auch noch so. Manche Königinnen reißen die alte Frisur ein, ohne erforscht zu haben, wie die neue aussehen soll. Mal sehen, ob man mich auch mit ohne Haare erkennt. Wichtig in der Partnerschaft ist vor allem, dass man sich was aufgebaut hat, sagt schließlich auch der Fernseher auf dem geistigen Regal. Haare interessieren uns dort überhaupt nicht.

Gedankenloses Zerstören führt zu ratlosen Ruinen. Nur noch einer weiß, was richtig ist. Der bringt die Botschaft unter das Volk. Das Leben schwingt hin und her, es mäandert von Wünschen zur Linken und Notwendigkeiten zur Rechten. Im Sommer will man Kühle, im Winter wärmende Sonne. Menschen haben Kinder, Hunde oder Autos, sei es Mercedes, Passat. Haben sie das nicht, sterben sie bald oder streben mit größer werdender Verzweiflung danach.

Getrieben von diesem ständigen Wechsel taumelt der Eine, geht die Andere zu Straßen, manch Einer meint, eine Abkürzung nehmen zu können, geht geradeaus und zieht sich aus dem öffentlichen Leben zurück ins Private – aber wohin führt ihn das? Schneller zur nächsten, vielleicht ebenso finalen Prüfung. Das Auto ist dein bester Freund, zumindest dein erstes Auto ist dein bester Freund, er oder es bringt dich überall hin und lässt dich nie im Stich, bis es doch passiert. Du überfährst den Hund oder vielleicht auch den Typen aus dem ersten Absatz. Der lacht nicht mehr. Aber das interessiert dich auch nicht wirklich. Vielleicht nur der Kratzer am untreuen Freund.

Dann wirst du ihn verkaufen, den Wagen, weil es schlichtweg ein neues Auto geben muss, um zur Arbeit zu fahren und Geld zu verdienen für die zukünftigen Autofreunde und die anderen Tiere. Du weinst, wenn er dir genommen wird, machst vorher noch ein letztes Foto. Nimmst die alte Polaroid, die es schon nicht mehr gibt. Auch sie hat dich nicht verlassen. Es sind noch drei Filme mit je 10 Fotos dort. Welche Limitierungen kannst du abschütteln?

Denkst du auch manchmal darüber nach, was du willst? Teil der schlafenden Nullen und Einsen sein? Für immer abhängig in stetig enger werdenden Selbstbeschränkungen. Die Fragen zu stellen ist wichtig. Antworten brauchst du nicht – die interessieren dich schließlich auch nicht. Antworten sind die größten Feinde unserer Zeit.

 

The Smiths / Nowhere Fast / https://www.youtube.com/watch?v=wYsA4WOiB4A

Queen / Don’t Stop Me Now / https://www.youtube.com/watch?v=HgzGwKwLmgM

Rockformation Discokugel / Die Kugel Privat / XXX

Jesus Jones / Zeros And Ones (Aphex Twin Reconstruction) / https://www.youtube.com/watch?v=6auGCQJufYo

Sylvain Chauveau  / Never Let Me Down / https://www.youtube.com/watch?v=YZlEX-Qn7JE

Psychic TV / Message From The Temple / https://www.youtube.com/watch?v=hTHiv7Nyrd4

 

 

18 Zu viel

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Die Menschheit sei gewiss, das mit dem Gift fängt ganz normal an. Sitzt im Büro und hackst in die Schreibmaschine, Telefon klingelt, wärmst Dich zur Weltmeisterschaft im Disco-Dance auf oder schaut sonst wie aus dem Fenster. Und dann ruft Jemand an und schreit Dich an, verspritzt so viel von seinem Gift, so dass einen der Gedanke an Gift packt, ja zwangsläufig packen muss! Wie dreht man diesen elenden Saft ab? Auflegen? Friss Staub, Anrufer. Ein Giftstachel bleibt, zumindest für einen Moment. Daraus lassen sich zwanglos Fragen nach der Zukunft von Menschen dieser Art und auch der Menschheit ableiten. Interessantes Gift also.

Gift ist einer der mittel- und langfristigen Musiktrends der Zukunft, das war schon immer so und wird auch so bleiben. Der Eine hat das Gift, der Andere das Gegenmittel. Nur auf diese dialektische Weise funktioniert bekanntlich die gesamte Menschheit und deren Entwicklung. Meistens streiten sich die beiden Parteien und es macht schon mal lautmalerisch und synthetisch „boom“. Giftmusik ist ein Subgenre der Biomusik und die wird in der Zukunft erst recht boomen, diese Vorhersage ist verbindlich. Aber Vorsicht, denn es gibt noch kein allgemeingültiges Biomusikzeichen, erst recht kein Giftmusikzeichen, das vor diesem Gefahren warnt oder auf interessante Musik hinweist.

Was hat das alles mit uns zu tun? Biogift ist schon jetzt um einen jeden von uns herum – in den Wänden! Ungefragte Gesundheitsbeschädigungen dieser Art gibt es quasi jeden Tag. Auch die Hinweise auf angeblich gesunde Verarbeitung beim Streichen macht das Gift nicht wirklich ungefährlich. Wenn man Farbe oder Tiefengrund besser nicht schlucken soll, wie lässt sich dann erklären, das etwas, das vorher ein Gift ist, nach seiner Verarbeitung und Verbindung mit der Wand dann ungiftig wird? Einer der vielfältigen Erklärungsversuche geht von den katastrophalen Zuständen auf menschlichen Biowänden aus, also von „der Haut“, die wir alle haben. Auf der Haut als menschlicher Wand sind immer Pilze oder zumindest Biofilme. Es herrscht dort ein Gleichgewicht des giftigen Schreckens. Und die Haut eines Anderen abzuschlecken gilt nicht als vergiftend.

Stundenlanges Liegen auf dem Bauch bringt den Körper ebenso ins Gleichgewicht zurück, sollte er einmal verrutscht sein. Wenn etwas zu viel vorhanden ist, dann wirkt es als Gift, das heißt es beginnt, die Substanz des ihn umgebenden Stoffes zu beschädigen oder zu zerstören, wenigstens aber zu verändern. Der Körper schleppt sich müde dahin, der Rhythmus verlaaangsamt sich, alles wird schwer. Aber auch positive Wirkungen von Giften sind bekannt, zum Beispiel bei gewollten Lähmungen oder gewünschtem Verliebtsein (Giftpfeile). Die Dub-STEEP Methode, benannt nach den Anfangsbuchstaben der im globalen Umfeld der Musik berücksichtigten Suchfelder (Society, Techno, Ecology, Economy, Politoxics) hat sich immer schon damit beschäftigt, herauszufinden, was die Welt im Innersten zusammenhält und mitunter bewegt. Da lässt sich dann locker sogar aus den Mehrfach-Giftwirkungen aussortieren, welches Gift zu uns passt und welches eher nicht.

Angesichts der vielen Gifte und Mehrfach-Giftwirkungen wird Mancher technisch gesehen zum Tier und wünscht sich eine Entgiftung. Keiner weiss genau, wie diese so funktioniert. Manche meinen, mit Giftpfeilen (es gibt hier auch wiederum Unterströmungen, die amouröse Liebespfeile vorziehen) das aus Pubs bekannte Dart zu spielen, würde helfen. Dieser etwas einfältige Ansatz – wer hat jemals in der Liebe oder im Pub eine Entgiftung erfolgreich vollzogen? – ersetzt jedoch nicht die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem musikalischen Gift, zumal, wenn der Selbsttest mit Drogen erfolgt. Entgiftung lässt sich nicht unter Einfluss von Gift beschreiben.

Also: wie funktioniert Entgiftung genau? Die Frage wurde so oft gestellt und bislang nicht öffentlich beantwortet. Diejenigen, die es wissen, hüten dieses Wissen wie ein wirklich großes Geheimnis. Kennt man dieses Geheimnis nicht, so geht man der Einfachheit halber und am Besten von Folgendem aus: Gift ist einfach zu viel von einem einzigen Ding oder sagen wir besser: Stoff. Also heißt die Lösung: weniger von ein und demselben Ding, Abwechslung mit mehreren Stoffen.

Es stellt sich keine Vergiftung ein, wenn nichts gleichförmig verläuft. Andererseits, wenn immer alles nicht gleichförmig verläuft, stellt diese permanente Ungleichförmigkeit den Vergiftungsphobiker vor erhebliche Probleme. Also muss es eine Abwechslung zwischen partieller Gleichförmigkeit und ebenso partieller Ungleichförmigkeit geben, um das Leben vor dem Gift zu bewahren. Nichts ist von Konstanz in diesem Leben, nicht einmal die Inkonstanz. Und wenn andererseits die Menge das Gift macht, so ist es heilsam, ab und zu enthaltsam zu sein und ein sogenanntes Giftfasten einzulegen.

Also.

 

Sweet Poison:

The Prodigy / Poison / https://www.youtube.com/watch?v=_mej5wS7viw

The Go-Betweens / Poison In The Walls / https://www.youtube.com/watch?v=Yb8fNjUybcA

Porter Ricks / Polytoxic / https://www.youtube.com/watch?v=d8s2j-zKXvQ

ABC / Poison Arrow (Jazz Mix) / https://www.youtube.com/watch?v=wBTSM3iKufE&list=RDwBTSM3iKufE#t=11

The Bug & Warrior Queen / Poison Dart / https://www.youtube.com/watch?v=-aW7NFSGklM

The Go-Betweens / Too Much of One Thing / https://www.youtube.com/watch?v=D6n1cc3fn6M