Es begann mit einer überquellenden schwarzgrauen Mülltonne im Hinterhof, dort, wo drei Tonnen unterschiedlicher Couleur einträchtig stehen und ihrer wohldurchdachten Befüllung harren. Aber weit gefehlt, denn Mülltonnen nehmen inzwischen nachgewiesenermaßen immer weniger echten Müll freiwillig auf. Vielmehr wollen sie selbst die Autorität einheimsen zu entscheiden, was Müll ist und was nicht in sie hineingehört. Sie verstehen sich nicht mehr als Mittel zwischen Gebrauch, Verbrauch und Entsorgung, sondern als ein Selbstzweck. Man kennt das aus der Welt der (sozialen) Medien. Also machte sich diese übervolle Tonne in der Morgendämmerung auf den Weg zur Straße, um hochgehoben zu werden in die Arme des liebevollen Müllautomobils und geleert zu werden. Sie flüsterte dabei etwas von Tapetenwechsel.
Statt aber über die entsorgten Dinge hinwegzustehen und diese schlicht weiterzuleiten, maßen diese Mülltonnen sich den Status der Müllentscheider selber an und werfen eigenmächtig Dinge auf die Straße, so dass es sich besser geziemt, sich aus der Tonne herauszuhalten. Denn das Entsorgungssystem für Müll ist auch nicht anders als das Paybacksystem, das sich zum Bezahlsystem aufschwingt. Von beiden sollte man die Finger lassen.
An Tag Zwei lag der Müll auf der Straße, die Tonne stand unschuldig daneben. Produktivität im Homeoffice nimmt überhand und dann ist es nur folgerichtig, dass dabei ganz viel Mist herauskommt – jedenfalls nach Meinung von Menschen, die ihre Mitarbeitenden misstrauisch kontrollieren oder gleich am liebsten quit werden wollen. Müllwerker sind verärgert über diese freigeistigen Tonnen und wollen sie ihrerseits loswerden, als seien sie – die Werker – die misstrauischen Chefs und die Tonnen würden schlechtes Homeoffice verrichten.
Das Mysterium manifestierte sich nun, als der reale Homeofficeworker zunächst die Beschwerden an die Hausverwaltung weitergegeben hatte, ein mit dem Umgang von menschlichen Absonderungen vertrauter Freund („ich kenne doch meine Pappenheimer“, sprach’s und hob den Deckel an) den Müll in die offensichtlich vollständig entleerte – vormals übergequollene – Tonne eingeworfen hatte und der nämliche Homy die Straßentonne in den Hinterhof zog und feststellte, dass dort schon ein weiteres Müllgefäss treudoof herumstand. Niemand wusste, wie diese zweite Tonne hieß und den Weg dorthin gefunden hatte. Die Bestätigung der Mysterienbehörde steht noch aus.
Hildegard Knef / Ich brauch‘ Tapetenwechsel / https://youtu.be/f8eHSjrjL-o?is=SPnLRNWyzMQbLZi2
Philip Boa & The Voodooclub / Container Love / https://youtu.be/GIbQFFArk00?is=njLyP5z8as9KF7Qg


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