18 Zu viel

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Die Menschheit sei gewiss, das mit dem Gift fängt ganz normal an. Sitzt im Büro und hackst in die Schreibmaschine, Telefon klingelt, wärmst Dich zur Weltmeisterschaft im Disco-Dance auf oder schaut sonst wie aus dem Fenster. Und dann ruft Jemand an und schreit Dich an, verspritzt so viel von seinem Gift, so dass einen der Gedanke an Gift packt, ja zwangsläufig packen muss! Wie dreht man diesen elenden Saft ab? Auflegen? Friss Staub, Anrufer. Ein Giftstachel bleibt, zumindest für einen Moment. Daraus lassen sich zwanglos Fragen nach der Zukunft von Menschen dieser Art und auch der Menschheit ableiten. Interessantes Gift also.

Gift ist einer der mittel- und langfristigen Musiktrends der Zukunft, das war schon immer so und wird auch so bleiben. Der Eine hat das Gift, der Andere das Gegenmittel. Nur auf diese dialektische Weise funktioniert bekanntlich die gesamte Menschheit und deren Entwicklung. Meistens streiten sich die beiden Parteien und es macht schon mal lautmalerisch und synthetisch „boom“. Giftmusik ist ein Subgenre der Biomusik und die wird in der Zukunft erst recht boomen, diese Vorhersage ist verbindlich. Aber Vorsicht, denn es gibt noch kein allgemeingültiges Biomusikzeichen, erst recht kein Giftmusikzeichen, das vor diesem Gefahren warnt oder auf interessante Musik hinweist.

Was hat das alles mit uns zu tun? Biogift ist schon jetzt um einen jeden von uns herum – in den Wänden! Ungefragte Gesundheitsbeschädigungen dieser Art gibt es quasi jeden Tag. Auch die Hinweise auf angeblich gesunde Verarbeitung beim Streichen macht das Gift nicht wirklich ungefährlich. Wenn man Farbe oder Tiefengrund besser nicht schlucken soll, wie lässt sich dann erklären, das etwas, das vorher ein Gift ist, nach seiner Verarbeitung und Verbindung mit der Wand dann ungiftig wird? Einer der vielfältigen Erklärungsversuche geht von den katastrophalen Zuständen auf menschlichen Biowänden aus, also von „der Haut“, die wir alle haben. Auf der Haut als menschlicher Wand sind immer Pilze oder zumindest Biofilme. Es herrscht dort ein Gleichgewicht des giftigen Schreckens. Und die Haut eines Anderen abzuschlecken gilt nicht als vergiftend.

Stundenlanges Liegen auf dem Bauch bringt den Körper ebenso ins Gleichgewicht zurück, sollte er einmal verrutscht sein. Wenn etwas zu viel vorhanden ist, dann wirkt es als Gift, das heißt es beginnt, die Substanz des ihn umgebenden Stoffes zu beschädigen oder zu zerstören, wenigstens aber zu verändern. Der Körper schleppt sich müde dahin, der Rhythmus verlaaangsamt sich, alles wird schwer. Aber auch positive Wirkungen von Giften sind bekannt, zum Beispiel bei gewollten Lähmungen oder gewünschtem Verliebtsein (Giftpfeile). Die Dub-STEEP Methode, benannt nach den Anfangsbuchstaben der im globalen Umfeld der Musik berücksichtigten Suchfelder (Society, Techno, Ecology, Economy, Politoxics) hat sich immer schon damit beschäftigt, herauszufinden, was die Welt im Innersten zusammenhält und mitunter bewegt. Da lässt sich dann locker sogar aus den Mehrfach-Giftwirkungen aussortieren, welches Gift zu uns passt und welches eher nicht.

Angesichts der vielen Gifte und Mehrfach-Giftwirkungen wird Mancher technisch gesehen zum Tier und wünscht sich eine Entgiftung. Keiner weiss genau, wie diese so funktioniert. Manche meinen, mit Giftpfeilen (es gibt hier auch wiederum Unterströmungen, die amouröse Liebespfeile vorziehen) das aus Pubs bekannte Dart zu spielen, würde helfen. Dieser etwas einfältige Ansatz – wer hat jemals in der Liebe oder im Pub eine Entgiftung erfolgreich vollzogen? – ersetzt jedoch nicht die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem musikalischen Gift, zumal, wenn der Selbsttest mit Drogen erfolgt. Entgiftung lässt sich nicht unter Einfluss von Gift beschreiben.

Also: wie funktioniert Entgiftung genau? Die Frage wurde so oft gestellt und bislang nicht öffentlich beantwortet. Diejenigen, die es wissen, hüten dieses Wissen wie ein wirklich großes Geheimnis. Kennt man dieses Geheimnis nicht, so geht man der Einfachheit halber und am Besten von Folgendem aus: Gift ist einfach zu viel von einem einzigen Ding oder sagen wir besser: Stoff. Also heißt die Lösung: weniger von ein und demselben Ding, Abwechslung mit mehreren Stoffen.

Es stellt sich keine Vergiftung ein, wenn nichts gleichförmig verläuft. Andererseits, wenn immer alles nicht gleichförmig verläuft, stellt diese permanente Ungleichförmigkeit den Vergiftungsphobiker vor erhebliche Probleme. Also muss es eine Abwechslung zwischen partieller Gleichförmigkeit und ebenso partieller Ungleichförmigkeit geben, um das Leben vor dem Gift zu bewahren. Nichts ist von Konstanz in diesem Leben, nicht einmal die Inkonstanz. Und wenn andererseits die Menge das Gift macht, so ist es heilsam, ab und zu enthaltsam zu sein und ein sogenanntes Giftfasten einzulegen.

Also.

 

Sweet Poison:

The Prodigy / Poison / https://www.youtube.com/watch?v=_mej5wS7viw

The Go-Betweens / Poison In The Walls / https://www.youtube.com/watch?v=Yb8fNjUybcA

Porter Ricks / Polytoxic / https://www.youtube.com/watch?v=d8s2j-zKXvQ

ABC / Poison Arrow (Jazz Mix) / https://www.youtube.com/watch?v=wBTSM3iKufE&list=RDwBTSM3iKufE#t=11

The Bug & Warrior Queen / Poison Dart / https://www.youtube.com/watch?v=-aW7NFSGklM

The Go-Betweens / Too Much of One Thing / https://www.youtube.com/watch?v=D6n1cc3fn6M

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