10 Linksdrehende Supermärkte tanzen wie Mods

Die Präsidentin der Welt dachte einst, in der Republik Südafrika hieße der Weltmeisterschaftsball „timo pepo“, das Swahili-Wort für „Teamgeist“. Da war die Präsidentin, eine frühere Königin, aber schief gewickelt, denn diese Sprache wird vor allem im Lande Mosambique gesprochen, während das Burische Afrikaans immer noch in der Kapregion vorherrscht, neben 21 anderen Landessprachen.

Also sagte die Präsidentin nach einer kurzen Zeit des Briefings – durch ihren Assistenten aufgeklärt – zu sich selbst „bemanning animo“, was aber irgendwie so falsch gedreht klang wie ein Supermarkt, der anstatt wie alle anderen rechtsherum ausgelegt zu sein, auf einmal linksherum führt. Diese Drehung kann zur Verwirrung sogar bei den Teammitgliedern des Marktes, also der weiblichen Bemanning, führen und die Diskussion zwischen Bemanningmitgliedern hierüber wiederum zu Schlangen an der Kasse, die einen jungen Mann wie eine präsidiale Exkönigin eher angestrengt aus dem Trikot schauen lassen.

Trikotagen und Strick- sowie Wirkwaren sind auch nicht immer jeder Königin Sachen, sondern eher die von wunderbaren Frauen, die jene Sachen auch gerne als maritim in rundherum und nicht einseitig links oder rechtsausgelegten Oberbekleidungsmittelklassekaufhäusern verkaufen.

Die Verkaufsabsichten werden nun einmal am besten unterstützt, schickt man den armen verwirrten Mensch auf einen Rundkurs. Die Präsidentin sah dies ein und wollte auch zur allgemeinen Verwirrung ihre Vorstellungen eines zeitgemäßen Umgangs mit Sport und Verkauf unmittelbar einbringen und entschied, dass in einem Testsupermarkt der Verkauf im Uhrzeigersinn verlaufen solle.

In der Leichtathletik laufen die Menschen gegen den Uhrzeigersinn um die Kurven, also im Grunde rechtsherum. Diese Richtung hat auch in Australien Bestand, wahrscheinlich, weil man die Weltrekorde im Rechtsherumlaufen nicht gefährden will. Von den Weltrekorden im Linksherumlaufen hört man hierzulande leider recht wenig.

Der Trainingsmöglichkeiten in Supermärkten dieser Orientierung gibt es auch zu wenige, um eine stabile Fangemeinde aufbauen zu können. Weltrekorde sind noch sehr weit entfernt, so dass man im Grunde sehr schnell einen solchen aufstellen könnte. Der Weltrekord im Supermarktdurchlaufen mit Hindernissen ist jedoch am Ende von den Kassenkräften abhängig, egal ob links- oder rechtsherum. Den abgekämpften FremdgeldzählerInnen ist es nach neun Arbeitsstunden herzlich gleichgültig, dass man vielleicht für Olympia ausgerechnet und nicht gerade sondern linksherum in ihrem Supermercado trainiert.

Das alles hatte die Präsidentin natürlich nicht gewusst und auch nicht bedacht, denn eine Präsidentin wie eine Königin geht selten einkaufen, will sich aber dennoch gerne in das Leben ihrer Untertanen einmischen. Man kennt das ja.

Die Kassenmenschen müssen hingegen auch noch neben ihrer Arbeit selbst einkaufen und zu diesem Zweck und zur Zeitersparnis dann zwischendurch mal dran kommen, wobei man sie gerne vorlässt, selbst wenn dann zumindest ein neuer deutscher Rekord nicht mehr erreichbar ist. Ärgerlich ist dann zu sehen, was dort eingekauft wird, wofür man also höflich war. Die freundlich-sportlich und netten TrikotagenträgerInnen werden immer wieder nervös, wenn sie das erleben müssen.

Kasse kauft für den Kühlschrank ein, der anscheinend all die gekauften Dinge isst. Denn die Einkäufe kann kein Mensch allein aufessen, auch nicht in familienähnlichen Strukturen, selbst nicht mit Unterstützung kassenfremder Kräfte. Es ist eine seltsame Welt, in der man Dinge für andere Dinge einkauft, also quasi für deren Bedarf. Der Kühlschrank lebt und will gefüttert werden. Der Kühlschrank ist die Alpenregion für die Wohnung. Es finden sich die seltsamsten Überreste vergangener Zivilisationen in ihm wieder, vor allem, wenn die Eiszeit vorbei ist.

In einem Kühlschrank haben sich sogar Mods taufrisch gehalten. Forschungen nach der Herkunft dieser seltenen Musikfreundespecies haben zu der Erkenntnis geführt, dass sie infolge ihrer seltsam taumelnden Tanzbewegungen kurz vor dem Aussterben waren, als einer von ihnen im Supermarkt linksdrehend in eine Gefriertruhe gefallen ist. Dies bemerkte eine Amerikanerin, die sich gerade in diesem Supermarkt aufhielt und die feststellte, dass sie nicht in Paris war und auch eigentlich keine Amerikanerin. Dennoch war sie so nett, genau wie der Trikotagenträger, und rettete den Mod, indem sie ihn mitsamt der Kühltruhe bei sich übernachten ließ und ihn dann in den Keller stellte. Dort hat er sich respektabel gehalten.

Hätte die Königin, will meinen „Exkönigin und Präsidentin“ um all diese Vorgänge in ihren Supermärkten auf aller Welt gewusst, wer weiß, vielleicht hätte sie sich dann auch ins Privatleben zurückgezogen, um den Ausgang des Sommers mit ihrem Exkönig, dem Präsidentengatten, zu betrachten. Denn sie wollte wie ihre Untertanen und MitbürgerInnen auch lieber trotz aller Aufklärung durch den Garten der Liebenden an diesen vorbei in den Herbst gehen, denn sie war eine gute Präsidentin, die allen SupermarktmitarbeiterInnen und –besucherInnen wie sich selbst nur das Beste wünschte. Und sie wusste genau, dass der Sommer bald vorüber gehen wurde. Ihre Berater hatte sie auf diese Geschwindigkeit der Jahreszeiten hingewiesen. Als ob sie das nicht auch selbst bemerkt hätte, die alte Mod.

Verwendete Musik:

Camping / „Wunderbares Mädchen“ / https://www.youtube.com/watch?v=o87tHuj3yIA
Superpunk / Das waren Mods / https://www.youtube.com/watch?v=eAsq-ezuZ28
Rupa & The April Fishes / Une Americaine A Paris / https://www.youtube.com/watch?v=IkpuAQIdoD4
The Horrors / Scarlet Fields / https://www.youtube.com/watch?v=5eRX4QHZLfo

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